Leuchtende Bilder - Förderpreis der Stiftung Buchkunst
Zum Buch (Inhalte)
Hans Joachim Reuter (1923 – 2003) war ein international geschätzter Arzt, Wissenschaftler und Medizinhistoriker, als der er sich auf die urologische Endoskopie spezialisiert hat. Als Endoskopiker war er in den 1960er Jahren ein Wegbereiter neuer bildgebender Techniken in der urologischen Endofotografie, in den 1970er Jahren entwickelte er sich zu einem Pionier der Science Art mit seinen im Rahmen einer modernen Radiologie mit Gammakamera und Rechner auf dem Bildschirm generierten und mit Hilfe des Fotoapparates festgehaltenen „nuklearmedizinischen Bildkompositionen“ (Szintigrafien).
Hier erfolgen eine erste Dokumentation und Einordung dieser, lange Zeit vergessenen, ungewöhnlichen Bilder aus dem Blickwinkel der Bildwissenschaften im Kontext der Kunst-, Medizin- und Technikgeschichte.
Am Anfang stehen farbige Mikrofotografien der menschlichen Harnblase mit dem von der Linse des Fotoendoskops vorgegebenen, charakteristischen kreisrunden Format. Eingebunden sind sie in die Geschichte der Endofotografie, ausgehend von Philipp Bozzini, Max Nitze und Ferdinand Leiter. Von der analogen, handwerklich-technisch-naturalistischen Fotografie führt der Weg schließlich zum gemessenen, errechneten und am Bildschirm veränderbaren digital-abstrakten Bild eines Organs oder einer Körperlandschaft und damit zu einem radiologischen Verfahren der modernen Nuklearmedizin. Analog wie digital erzeugte Bilder erlaubten wegen ihrer Schärfe und der auf unterschiedlichen Wegen erzeugten und dargestellten Dreidimensionalität idealerweise eine frühere und exaktere Diagnose von Krankheitsherden im Körperinneren.
Ähnlich wie Bozzini, Nitze und andere Ärzte war auch Reuter maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der bildgebenden Verfahren und der dafür notwendigen Instrumente. Im Falle der Endoskopie ist das Ausmaß der Zusammenarbeit mit den Instrumentenherstellern bekannt, im Falle der Gammakamera geben nur die erhaltenen Versuchsserien von Bildschirmfotografien von 1977 Aufschluss über die ganz aktive Auseinandersetzung des Arztes mit den ganz neuen Bildprogrammen, deren Bildsprache, ähnlich wie im Falle der Endofotografie hundert Jahre zuvor, erst erlernt werden wollte.
Ein wesentliches Anliegen war es, die Inhalte über eine eigenständige, aus der Materie heraus entwickelte, angemessene Gestaltung als Künstlerbuch zu kommunizieren. Dieser Ansatz ist in der Renaissance verwurzelt, er geht in der Medizingeschichte auf die Zeiten des Anatomen und Arztes Andreas Vesalius zurück, dessen berühmter, reich bebilderter anatomischer Atlas „De Humani Corporis Fabrica“ ein wissenschaftliches, künstlerisches und gestalterisches Meisterwerk ist. Die hier erstmals geschaffenen Zusammenhänge zwischen Ästhetik und Medizin hat die Gestaltung medizinischer Fachliteratur noch bis in die 1960er Jahre hinein bestimmt; die „Leuchtenden Bildern“ interpretieren diese Tradition neu.
Das Vorwort des Kunsthistorikers Matthias Bruhn, Leiter des Forschungsprojektes „Das Technische Bild“ an der Humboldt-Universität in Berlin, positioniert die Inhalte des Buches „Leuchtende Bilder“ ebenso im Kontext der Kunstgeschichte, wie die Einführung des Computerkünstlers, Kunsttheoretikers, Physikers, Science Fiction Autors und Begründers der Ars Electronica Herbert W. Franke. Die Initiatorin dieses wissenschaftlichen und visuellen, privaten, Forschungsprojektes, die Kunsthistorikerin und Publizistin Eva Mendgen, schließlich zeichnete den Weg von der Endofotografie zur Science Art. Das Glossar wurde mit Hilfe von Herbert W. Franke und Kurt Becker erstellt, Biografien und Bibliografie runden die Inhalte ab.
Eine besondere Herausforderung bedeuteten die fotografischen Vorlagen der Bildschirmfotografien für Gestaltung und Drucklegung: Sie hatten viel von der ursprünglichen farblichen Leuchtkraft eingebüßt, mussten wiederum digitalisiert und für den Druck aufbereitet werden. Hier stellten sich ganz aktuelle Fragen bezüglich der Restaurierung und Konservierung dieser technischen Bilder, die Felix Stumpf gemeinsam mit dem Fotografen Kai Loges und der Druckerei Grammlich erfolgreich zu lösen wusste.
Infos
Von der Endoskopie zur Science Art / From Endoscopy to Science Art
Herausgeber / Redaktion: Dr. Eva Mendgen, Kulturnetzwerk regiofactum
Gestaltung: Felix Stumpf, Peter Brugger
Übersetzung / Translation (English): Julie Connellan
Lektorat: Achim Huber, Julie Connellan
Schrift: Bertold Akzidenz Grotesk medium / Reuter Mono
Druck: Grammlich, Pliezhausen
Verlag: Hartung-Gorre, Konstanz
ISBN: 978-3-86628-321-3
Copyright: Regiofactum Dr. Eva Mendgen
132 S. - 25,0 x 17,0 cm, gebunden
59,00 Eur[D] incl. MwSt
Aktuelle Auszeichnungen
Im Januar 2011 erhielten die Gestalter Felix Stumpf und Peter Brugger den Förderpreis für junge Buchgestalter der Stiftung Buchkunst 2010, die höchste deutsche Auszeichnung für Nachwuchsgrafiker und –typografen für das Buch „Leuchtende Bilder“.
Die Begründung der Jury:
„Bilder, wie sie in der Medizintechnik entstehen, stellt das Buch in Texten und Abbildungsstrecken dar. Das Leuchten der
Farbspektren wird in der Farbigkeit und Stofflichkeit der Papiere ebenso gut übersetzt wie die Rasterkompositionen durch
die Anordnung der in sich strengen Typografie. Ein in allen gestalterischen Details gekonnt ausgewogenes Buch, informativ
und höchst ansehnlich.“
Im November 2010 wurde das im September 2010 erschienene Buch außerdem zum Deutschen Fotobuchpreis 2011 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels nominiert, es geht 2011 mit anderen Fotobüchern auf die große Wanderausstellung „Deutscher Fotobuchpreis 2011“ u.a. von Stuttgart nach Köln, Brüssel und Singapur.
Bezugsadressen:
Zu beziehen ist das Buch für den Buchhandel über www.hartung-gorre.de (0049-7533-97227) oder direkt über www.leuchtendebilder.com.
Kontakt (auch Presse):
Dr. Eva Mendgen
Robert-koch-Str.06
D- 66119 Saarbrücken
0049 681 855510
info@mendgen.com
Centre Pompidou Metz, Artikel
Textauszug:
Einzigartig. Spektakulär. Tatsächlich. Das Centre Pompidou-Metz. Mai 2010.
Großer Bruder, kleine Schwester?
Der ehemalige Metzer Bürgermeister Jean-Marie Rausch, der sich erfolgreich um die Ansiedlung der Dépendance des Pariser Centre Pompidou in Lothringen bemüht hat, bewarb sein Kind von Anfang an mit Superlativen: Seit der Grundsteinlegung 2005 wiederholten sich die Begriffe „einzigartig“ und „spektakulär“ notorisch, ab einem gewissen Zeitpunkt wirkten sie wie Beschwörungsformeln, vor allem auch deshalb, weil der Bau erst drei Jahre später als geplant, nämlich nicht zum Kulturhauptstadtjahr 2007 „Luxemburg und Großregion“ und etwa zeitgleich mit dem Mudam in Luxemburg, sondern eben erst 2010 fertig geworden ist. Bis zuletzt war, zumindest aus deutscher Sicht, nicht ganz klar, inwieweit die mächtige Pariser Kulturinstitution als „großer Bruder“ bei der Gestaltung der „kleinen Schwester“ den Ton angeben und ob diese vielleicht nur ein provinzielles Anhängsel, ein halbherziges Zugeständnis an die Pariser Dezentralisierungspolitik sein würde. Bauherr und Hauptfinanzier des Centre Pompidou-Metz ist, laut Presseerklärung, der „Gemeindeverbund Metz-Metropole in Zusammenarbeit mit der Stadt Metz (als Beauftragter des Bauherrn) und das Centre Pompidou in Paris“. Diese promovierten das ehrgeizige Projekt von Anfang an auf einer offiziellen Website mit dreidimensional perspektivischen, manieristisch wirkenden, computergenerierten Ansichten des Gebäudes. Kunstwerke tauchten hier nur vereinzelt auf, sie wirkten fast wie ein lästiges Tribut an die künftige Funktion des Gebäudes.
Branding
Die Grundsteinlegung erfolgte auf dem riesigen, brachliegenden, ehemaligen SNCF-Gelände hinter dem („deutschen“) Bahnhof, mitten in dem in den nächsten 20 Jahren hier zu entwickelnden Wohnviertel „Quartier de l’Amphithéâtre“, das den aktuellen Maßstäben „nachhaltigen“ Bauens entsprechen soll. Vorab wurde vor allem mit dem Architekturmodell und den mit dem Projekt verknüpften großen Namen geworben. Der japanische Stararchitekt Shigeru Ban hatte den international ausgelobten Wettbewerb unter 157 Mitbewerbern seinerzeit gewonnen, für die Planung und Umsetzung wurde oben auf dem Centre Pompidou-Paris ein Atelier auf Zeit angelegt: in einer riesigen „Röhre“.
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bestellen und weiterlesen:
www.pfau-verlag.de
info@saarbruecker-hefte.de
Génie du travail
Textauszug aus dem Katalogbeitrag "Génie du Travail", in: "Es ist ein unendliches Kreuz, Glas zu machen - Glashüttenarbeiter in der Fotografie: Helden?", Ausstellungskatalog Glashütte Gernheim, Klartext Verlag, Essen 2010, S. 31 - 34
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Gentilshommes verriers
Von Meisenthal aus erschlossen sich Beziehungen nicht nur ins Bitscher Land (Pays de Bitche), sondern auch zu anderen Glashütten und Kristallerien in Lothringen, an der Saar und sogar in Wallonien. Glasmacher aus ganz Europa ließen sich im 15. Jahrhundert im Forêt de Darney (heute Department Vosges) als „Gentilshommes verriers“ („Glasadelige“) im Rahmen früher Formen staatlicher Wirtschaftsförderung nieder. Von hier aus breitete sich die Handwerkskunst in Richtung Norden aus: Bald schon gab es Glasmacherzentren nicht nur in Südlothringen und im Bitscher Land, sondern in allen an den Energiequellen Holz und Steinkohle reichen Gebieten, im Warndt und im Saarkohlewald (Lothringen/Saarland) oder in den wallonischen Regionen Namur, Lüttich und Centre (Wallonie/Belgien).
Im Laufe der Zeit entstanden hier Hunderte von Glashütten, „Trendsetter“ der Industrialisierung finden sich ebenso, wie der Stolz des europäischen Manufakturwesens mit den Kristallerien.
(...)
Bestellen und weiterlesen: LWL - Industriemuseum, Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Glashütte Gernheim
Vitrine 2010: Glaskunst : Art Verrier
"Vitrine 2010 : Glaskunst" ist eine Ausstellung von regiofactum in Kooperation mit Galeria Kaufhof Saarbrücken, dem Glas-und Heimatmuseum Warndt in Völklingen- Ludweiler, der HBKsaar und dem Centre International d’Art Verrier (CIAV) in Meisenthal (Dept.Moselle), dem Regionalverband Saarbrücken und dem künftigen Eurodistrict SaarMoselle.
Gestaltung: Willi Fries für Galeria Kaufhof
Übersetzung ins Französische (s.weiter unten) : Christine Papillon, Diplomübersetzerin Saarbrücken
Dank an die Damen Macher, Papillon und Prianon, die Herren Brandolini, Fries, Netbal, Nest, Lupp und Valentin.
Saarregion
„Hightech“ im Warndt und im Saarkohlewald
Die ersten Glasmacher kamen im Rahmen früher Wirtschaftsförderungsmaßnahmen ins Saargebiet. Fürst Wilhelm Heinrich, auf den der Ludwigsplatz zurückgeht, erkannte die Bedeutung der Glasindustrie für die Region. Die Glasmacher brachten ihr Savoir-faire unter anderem aus Lothringen mit. Im dicht bewaldeten Warndt und Saarkohlewald praktizierten sie ihre Kunst erfolgreich in Manufakturen, die im Verlauf des 20. Jahrhunderts von Industriebetrieben abgelöst wurden.
Exponate:Blick auf den Stadtwald Saarbrücken und Ludwigsplatz, Saarbrücken,
die arge lola/regiofactum, Leihgaben Regionalverband Saarbrücken.
Glas-und Heimatmuseum Warndt
Exemplarisch ist die Fenner Glashütte (1812 gegründet unter Napoleon – 1939 geschlossen unter Hermann Röchling); hier entstanden Produkte aus Pressglas als Synthese höchster technischer und gestalterischer Standards in mechanischer Fertigung. Sie waren regional und weltweit beliebt und sind heute im Glas-und Heimatmuseum Warndt zu sehen.
Exponate: Historische Produkte der Fenner Glashütte, Leihgaben Privatsammlung und Glas-und Heimatmuseum Warndt
HBKsaar + CIAV - Meisenthal
Auch heute wird in der Region Glas gefertigt: eine für die Region charakteristische Synthese von Forschung, Kunst, Design, Handwerk und Industrie verkörpern die Glasobjekte, die in workshops der HBKsaar in Kooperation mit dem Centre International d’Art Verrier in Meisenthal im benachbarten Department Moselle entstanden und hier zu sehen sind.
Exponate: Glasobjekte, Leihgaben der HBKsaar und des CIAV – Meisenthal
Geschichten
Nicht nur der Werkstoff Glas, sondern auch die Geschichte(n) der Glasindustrie sind heute Gegenstand der Forschung, z.B. im Rahmen des Projektes der Universität Luxemburg, siehe www.gr-atlas.uni.lu / Artikel / Wirtschaft / Glas und Kristall / Saarregion.
Seestücke, Katalogbeitrag zur Ausstellung Irdische Paradiese
Irdische Paradiese: Seestücke
Auszüge aus dem Katalogbeitrag
Zu den Höhepunkten der Sammlung der Kasser Art Foundation
gehören neun maritime Landschaften, allesamt weitgehend unbekannte
Meisterwerke der Moderne auf Leinwand und Papier,
die im Augsburger Schaezlerpalais zum ersten Mal gemeinsam
zu sehen sind – Variationen des „Seestücks“, eines von der neueren
deutschen Kunstgeschichtsschreibung nahezu vergessenen
Genres. Im 17. Jahrhundert hatten die holländischen Maler es
zu Recht zur Königsdisziplin der Landschaftsmalerei erhoben und
zu Beginn des 19. Jahrhunderts progressive Künstler von Caspar
David Friedrich bis William Turner und Gustave Courbet auf der
Suche nach neuen Ufern wiederentdeckt. Das Seestück bedeutete
in vielerlei Hinsicht eine willkommene Herausforderung. Wie
kaum ein anderes Motiv setzte seine Umsetzung das sorgfältige
Studium von Licht und Farbe, der wechselnden Lichtverhältnisse
und -reflexe, der Wolkenformationen und Wellen sowie die ausgezeichnete
Beherrschung des Malerhandwerks voraus.
Die Seestücke der Kasser Art Foundation erlauben eine
Annäherung an ein für Künstler und Betrachter besonders reizvolles
– und immer noch modernes – Thema, um mit Émile
Zola zu sprechen: „à travers un tempérament.“ In diesem Fall
be deutet das eine Interpretation durch keine Geringeren als
Pierre-Auguste Renoir, Claude Monet, Henri Edmond Cross, Paul
Signac, André Derain, Georges Braque, Max Pechstein und
George Grosz. 1879 datiert das erste hier präsentierte Seestück,
gemalt von Renoir, 1947 das letzte, gezeichnet von Grosz. Ihre
Arbeiten repräsentieren einen größeren, ideellen Kontext: „Ich
hätte gerne das irdische Paradies gemalt“, soll Renoir einmal
gesagt haben.
Die ebenso reizvolle wie schwierige Aufgabe wird es sein,
die einzelnen Werke des Impressionismus, Postimpressionismus
und Expressionismus vor diesem Hintergrund peu à peu zu einem
„Archipel“ im imaginären Ozean der Kunst zu erschließen.
(....)
Bestellen und weiterlesen: vertrieb@deutscherkunstverlag.de
Abb.:
Auguste Renoir, Küste bei Diepp, 1879 (Kat.Nr.71) Kasser Art Foundation European Representation
Claude Monet, Bloc de Rochers, 1886 (Kat.Nr.63), Kasser Art Foundation European Representation

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Neu sind auch die Rubriken "Specials" und „zu Gast“. Unter "Specials" werden Reden, Kommentare auf Zeit zu aktuellen Projekten veröffentlicht, zu Gast sind Künstler und Kunstwerke: Felix Stumpf macht den Anfang als Gast mit freier Grafik.









