Rahmenkünstler

Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller mit Pfeife, 1913, Brücke-Museum, Berlin
Fotografie Eva Mendgen 2020

Grundlagenforschung und Referenzwerke über die Grenzrelationen der Kunst 1992-2010

 

Vom Rahmen her gesehen öffnet sich der Blick auf eine weitgehend unbekannte Facette der Moderne im Spannungsraum zwischen Expression und Abstraktion, Malerei und Handwerk, Bild und Rahmen, Farbe und Form, Kunst und Gesellschaft. Zwischen Brücke, Blauem Reiter und Bauhaus entstanden Rahmen, die so vielfältig und verschieden sind, wie die Bilder, die sie umfassen.
Die Bilder und ihre von den Künstlern geschaffenen Rahmen widerlegen – qualitativ und quantitativ – das hartnäckige Klischee einer „rahmenlosen“ Moderne auf das Schönste und fordern damit die angestammten Kunstbegriffe heraus. Hier geht es auch um die Erschließung künstlerischer Intentionen und die im Ausstellungswesen sehr oft vernachlässigte Frage der „Heimat“ der Bilder. Gerade heute, wo alte Grenzen verworfen und neue gezogen werden, wird die Kunst, auf dem „Sockel“ des 19. und des 20. Jahrhunderts, erneut zum Grenzgebiet.

„Die Recherche zu den bislang kaum beachteten Originalrahmen wird deshalb zu einer Art Grundlagenforschung über die Kunst der Moderne.“ Carsten Probst, Interview mit Lisa Marei Schmidt und Eva Mendgen im Brücke-Museum in Berlin, gesendet im Deutschlandfunk am 26. August 2019: „Wie der Rahmen das Bild verändert“.

s. dazu Rubrik Bibliographie (ab April 2021)
s. dazu Rubrik Textarchiv  (ab April 2021)

Aktuell

UNZERTRENNLICH

Das sich hartnäckig behauptende Klischee einer rahmenlosen Moderne haben zahlreiche Forschungsarbeiten und mehrere Ausstellungen auf das Schönste widerlegt, zuletzt das Ausstellungsprojekt Unzertrennlich: Rahmen und Bilder der Brücke Künstler im Brücke-Museum in Berlin, 16.11.2019-13.03.2020.

Rahmenbilder. Bilderrahmen in: Werner Murrer/Lisa Marei Schmidt/Daniel J. Schreiber (Hg.), Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke-Künstler, London: Koenig Books, 2020, S. 27-39
– Vortrag Brücke Museum Berlin, 26. Januar 2020, Titel: Rahmenbilder. Grenzrelationen. 
– Expert*innengespräch Eva Mendgen/Werner Murrer Brücke-Museum Berlin, 26. Januar 2020
– Artikel Online-Magazin des Brücke-Museums Perspektiven, Veröffentlichung 2021: Rahmenbilder der Moderne.

Referenzwerke

KÜNSTLER RAHMEN IHRE BILDER

Von Künstlern entwickelte Bilderrahmen, Rahmungs-, Ausstellungs- und Kommunikationskonzepte standen im Mittelpunkt meiner Dissertation Künstler rahmen ihre Bilder. Zwischen Akademie und Sezession (Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1991, Tilmann Buddensieg).
In elf Fallstudien / Rahmungskonzepten wird nachgewiesen, dass für bedeutende Künstler wie Camille Pissarro, Edgar Degas, Vincent Van Gogh, Georges Seurat, William Holman Hunt, Dante Gabriel Rossetti, James Mc Neill Whistler, Franz von Lenbach, Arnold Böcklin, Franz von Stuck, Gustav Klimt und viele andere Zeitgenossen der Rahmen integraler Bestandteil ihres Werkes ist.

Aus dieser Arbeit gingen zahlreiche weitere Projekte hervor, allen voran die Ausstellungen In Perfect Harmony. Picture + Frame 1850 – 1920 und In Perfect Harmony. Bild und Rahmen der Moderne von van Gogh bis Dalì in Zusammenarbeit mit dem Van Gogh Museum in Amsterdam und dem Kunstforum der Bank Austria in Wien.
Im Mittelpunkt standen die Werke bedeutender Repräsentanten des Historismus, der viktorianischen Kunst, des Jugendstils, des Impressionismus und der Moderne des 20. Jahrhunderts. Erstmals wurden sie in den Originalrahmen der Künstler ausgestellt, für die Betrachter*innen ein „Fest für das Auge“ (Deutsche Welle).

 

IN PERFECT HARMONY

Das Katalogbuch ist in einer englischen und einer deutschen Ausgabe erschienen und gilt bis heute weltweit als Referenzwerk für Restaurator*innen und Kunsthistoriker*innen:
Eva Mendgen (Hg.), In Perfect Harmony, Picture+Frame 1850-1920 Hg.), In Perfect Harmony, Bild+Rahmen 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995. Das massgefertigte Design von Piet Rozen, die eigens angefertigten Fotografien (Bild+Rahmen), die ästhetische Gesamtwirkung der Veröffentlichung, ist immer noch vorbildlich. Alle Gemälde sind mit den dazugehörigen Rahmen fotografiert und als Einheit beschrieben.
Für die grenzübergreifende Bedeutung der Forschungsarbeit, der Veröffentlichung und der Ausstellung sprechen nahezu 200 Artikel in der internationalen Presse (Fach- und Tagespresse, Rundfunk, Fernsehen) und Besucherrekorde.

 

FRANZ VON STUCK 

Eva Mendgen (Hg.), Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategy, Tettenweis 2002 zeigt den Rahmenkünstler Franz von Stuck, um 1900 einer der besten Maler, Plastiker und Zeichner seiner Zeit, als Wegbereiter des modernen Kommunikationsdesigns. Die zugrundeliegende Forschungsarbeit im Nachlaß des Künstlers führte zu fünf Ausstellungen (Franz von Stuck Geburtshaus, Tettenweis / Museum Villa Stuck, München / Erwin-Scharff-Museum, Neu-Ulm / Museum Moderner Kunst, Passau / Museum Schloß Wernigerode).