In Perfect Harmony. Bild und Rahmen

Künstler rahmen ihre Bilder

Von Künstlern entwickelte Bilderrahmen, Rahmungs-, Ausstellungs- und Kommunikationskonzepte standen im Mittelpunkt meiner Dissertation „Künstler rahmen ihre Bilder. Zwischen Akademie und Sezession“ (Rheinische-Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1991).

In elf Fallstudien von Rahmungskonzepten und an 131 Beispielen von original gerahmten Bildern (Bild-Rahmen-Kompositionen) wird hier nachgewiesen, dass für bedeutende Künstler wie Camille Pissarro, Edgar Degas, Vincent Van Gogh, Georges Seurat, William Holman Hunt, Dante Gabriel Rossetti, James Mc Neill Whistler, Franz von Lenbach, Arnold Böcklin, Franz von Stuck und Gustav Klimt und viele andere Zeitgenossen der Rahmen integraler Bestandteil ihres Werkes war/ist. Daraus ergibt sich eine andere Perspektive nicht nur auf einzelne Kunstwerke, sondern auch auf das Gesamtwerk der betreffenden Künstler, ihre Dokumentation, Restaurierung, Interpretation und Kommunikation.

 

In Perfect Harmony

Aus dieser Arbeit gingen 1995 zwei international rezipierte Ausstellungen hervor: In Perfect Harmony. Picture + Frame 1850 – 1920 (Van Gogh Museum, Amsterdam) und In Perfect Harmony. Bild und Rahmen der Moderne von van Gogh bis Dalì (Kunstforum der Bank Austria Wien).

Hier waren die Werke von bedeutenden Repräsentanten des Historismus, der viktorianischen Kunst, des Jugendstils, des Impressionismus und der Moderne des 20. Jahrhunderts erstmals in ihren von den Künstlern entworfenen Rahmen ausgestellt, ein „Fest für das Auge“, wie die Presse damals schreibt.

Gelobt wurden die erstklassige Auswahl, die Wichtigkeit und Faszination des Themas, das ganzheitliche Konzept und die Zusammenarbeit von KunsthistorikerInnen und RestauratorInnen. Das 1995 jeweils in einer englischen und einer deutschen Ausgabe erschienene Katalogbuch gilt bis heute weltweit als Referenzwerk für Restaurator*innen und Kunsthistoriker*innen: Eva Mendgen (Hg.), In Perfect Harmony, Bild+Rahmen 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995 / Eva Mendgen (Hg.), In Perfect Harmony, Picture+Frame 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995.
Für die grenzübergreifende Bedeutung der Forschungsarbeit, der Veröffentlichung und der Ausstellung sprachen 1995-1996 nahezu 200 Artikel in der internationalen Presse (Tages- und Fachpresse, Rundfunk, Fernsehen) und Besucherrekorde.
Das massgefertigte Design von Piet Rozen, die durchweg im Rahmen abgebildeten Werke der Malerei, die ästhetische Gesamtwirkung der Veröffentlichung ist immer noch vorbildlich, die hier vorgestellten methodischen Ansätze im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit der Kunstwerke sind vielleicht gültiger denn je.

Das Markenzeichen Franz von Stuck

Das Thema wurde weiter ausgearbeitet und auf angrenzende Bereiche angewendet. So konnte vor allem die Arbeit zum Rahmen- und Kommunikationskonzept von Franz von Stuck vertieft werden, der um 1900 als einer der besten Maler, Plastiker und Zeichner galt.

Die Buchpublikation Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategy (2002) war die Grundlage für fünf Ausstellungen (Franz von Stuck Geburtshaus, Tettenweis / Museum Villa Stuck, München / Erwin-Scharff-Museum, Neu-Ulm / Museum Moderner Kunst, Passau / Museum Schloß Wernigerode).

Stuck hat nicht nur einen individuellen Kunst-, sondern auch einen über seine Zeit weit hinausweisenden Kommunikationsstil geprägt. Im Auftrag des Nachlasses erfolgte die wissenschaftliche Aufarbeitung des grafischen Werks und die Neubewertung des Gesamtwerks.
Das Katalogbuch wurde von dem Künstler Claude Wall gestaltet.

Rahmenbilder, Projektaufruf, Aktuelles

Diesen großen Ausstellungsprojekten folgten unter anderem Einladungen zur Mitarbeit an Publikationen wie Rahmenkunst am Beispiel expressionistischer Meisterwerke (Hg. Werner Murrer Rahmen, München 2006). Bis heute entstanden mehr als 50 Publikationen (Bücher, Buchbeiträge, Zeitschriftenartikel). Einladungen zu Vorträgen und Gutachten führten an Museen und Universitäten im In- und Ausland, u.a. nach Weimar, München, Aachen, Köln, Dresden, Wien, New York, Detroit oder Washington, zuletzt im Rahmen der Ausstellung Franz von Stuck in Wien ins Belvedere Wien und zum Symposium des Australian Institute for Conservation of Cultural Material in die National Gallery of Victoria in Melbourne.

Im November 2019 erscheint schließlich ein Beitrag zur Ausstellung Unzertrennlich: Rahmen und Bilder der Brücke Künstler im Brücke Museum in Berlin (16.11.2019-13.03.2020) im gleichnamigen Katalogbuch. Hier geht es um Rahmenbilder im Spannungsraum zwischen Expression und Abstraktion, Kunst und Gesellschaft und nicht zuletzt die Integrität des aus Bild und Rahmen bestehenden Kunstwerks im 20. Jahrhundert.
Dem dahinter stehenden Forschungsprojekt widmete sich Carsten Probst am 26. August 2019 im Deutschlandfunk („Wie der Rahmen das Bild verändert“).

Es wäre wünschenswert, die Geschichte von Bild und Rahmen angesichts der großen Veränderungen, die die digitale Erfassung und Verbreitung von Kunstwerken für deren Konzeption, Erhaltung, Präsentation oder Wertung mit sich bringt, in Zusammenarbeit mit Künstler*innen, Designer*innen, Restaurator*innen, Handwerker*innen, Kunsthistoriker*innen ins 21. Jahrhundert weiterzuschreiben. Wer sich für Fragestellungen rund um die Bild-Rahmen-Problematik interessiert und gegebenenfalls an einer Veröffentlichung mitwirken möchte, möge sich bitte bei mir melden.

Bibliografie zu Bild und Rahmen (Auswahl)

Eva Mendgen, „Rahmenbilder. Bilderrahmen“, in: Werner Murrer/Lisa Marei Schmidt/Daniel Schreiber (Hg.), Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke Künstler, erscheint im November 2019

Eva Mendgen, „Franz von Stuck – Rahmenkunst zwischen Akademie und Sezession / Franz von Stuck – the art of the frame. Between Academy and Secession“, in: Agnes Husslein-Arco/Alexander Klee (Hg.), Sünde und Secession. Franz von Stuck in Wien / Sin and Secession. Franz von Stuck in Vienna (Ausst.-Kat., Belvedere, Wien), München 2016, S.67-81.
*Textbeitrag und Rede anlässlich der Ausstellungseröffnung.

Eva Mendgen, „Malewitsch und das ‚rahmenlose‘ Bild im 20. Jahrhundert“, in: Katia Baudin/Elina Knorp (Hg.), Kasimir Malewitsch und der Suprematismus in der Sammlung Ludwig, Köln 2011, S.68-73.
*Im Rahmen der Projektreihe Russische Avantgarden des Museums Ludwig: Textbeitrag und Vortrag.

Eva Mendgen, „Impressionisten: Konzepte der Bildpräsentation und Restaurierungsansätze“, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, Heft 2, Worms am Rhein 2009, S.329-334.
*Im Rahmen des Symposiums „Neueste Forschungen zur Maltechnik des Impressionismus und Postimpressionismus“, Veranstalter: Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Kooperation mit dem Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft der Fachhochschule Köln (CICS), dem Verband der Restauratoren (VDR) und dem Verein der Freunde des Wallraf-Richartz-Museums und Museums Ludwig, 2008.

Eva Mendgen, „Ramar I äldre stil tili moderna mälningar / Old-Style Frames for Modern Paintings“, in: Paul Raymond Gregory Ur Tolkincs värld / From the World of Tolkien, Ausstellungskatalog Waldemarsudde 2007, S.73-77

Eva Mendgen, „Klassisch modern – neue Kunst, alte Rahmen“, in: Brigitte Salmen (Hg.), Maler des „Blauen Reiter“ (Ausst.-Kat. Schlossmuseum Murnau), Murnau 2006, S.151-153

Eva Mendgen, „Die Kunst zu rahmen-Positionen zwischen Historismus und Expressionismus“, in: Werner Murrer (Hg.), Rahmenkunst am Beispiel expressionistischer Meisterwerke, Konstanz 2006

Eva Mendgen, „Rahmen schmücken Bilder“, in: Weltkunst, Heft 12, 2005, S.48-50

Eva Mendgen, „Eros und Satire — Künstler im Dialog der Jahrhunderte: Franz von Stuck und Fritz Klier“, in: Eros und Satire, Ausstellungskatalog Stadtgalerie Dillingen, Dillingen 2005

Eva Mendgen/Förderkreis Franz von Stuck, Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategy, Tettenweis 2002
*Buchpublikation als Grundlage der Ausstellungsserie zu Franz von Stuck, Konzept, Texte, Vorträge

Eva Mendgen, „Franz von Stuck – eine künstlerische Erfolgsstrategie / The art of persuasion – a succcssful artistic strategy“, in: Eva Mendgen/Förderkreis Franz von Stuck, Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategy, Tettenweis 2002, S.16-18

Eva Mendgen, „Gewinnbringende Allianzen / Profitable Alliances“, in: Eva Mendgen/Förderkreis Franz von Stuck, Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategyTettenweis 2002, S.22-58

Eva Mendgen, „Plakate für die Münchner Secession / The Munich Secession Posters“, in: Eva Mendgen/Förderkreis Franz von Stuck, Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategy, Tettenweis 2002, S.92-97

Eva Mendgen, „„Mit wenigen Worten alles zu sagen…“/ „Saying it all in Just a Few Words…“, in: Eva Mendgen/Förderkreis Franz von Stuck, Franz von Stuck – Die Kunst der Verführung, das Markenzeichen Franz von Stuck: Eine künstlerische Erfolgsstrategie / Franz von Stuck – The Art of Persuasion, the Trade Mark of Franz von Stuck – a successful artistic strategy, Tettenweis 2002, S.103-110

Eva Mendgen/Richard Ford, „German Epressionist frames“, in: CASVA (Hg,), Center 20.Record of Activities and Research Reports, Washington D.C 2000, S.124-127
*Zusammenfassung des gemeinsamen, diszpilinübergreifenden Stipendiums „German Expressionist Frames“

Eva Mendgen, „Meditation über den Goldrahmen – Zur Ästhetik und Kritik des Goldrahmens“, in: ArtProfil, Heft 1, 1997, S.4-8

Eva Mendgen, „Die Fabrikation der Goldleisten“, in: ArtProfil, Heft 1, 1997, S.19-20

Eva Mendgen, „Framing in the Golden Age“, in: Apollo, June 1996, S.62-64

Eva Mendgen/Duco Wildeboer, „Het Kunstig Kader, 500 Jaar Lijstenmakers“, in: Art + Value, Nr.1,1996, S.68-74

Eva Mendgen, „Verheven boven het banale, de kunstenaarslijst in de 19de eeuw“, in: Kunstschrift, Nr. 2, 1995, S.22-29

Eva Mendgen, „’In Perfect Harmony‘: Picture + Frame, 1850 – 1920″, in: Journal of Museum Management and Curatorship, Nr.2, 1995, S. 197-205

Eva Mendgen, „In Perfect Harmony, Schilderij + Lijst 1850-1920″, in: Van Gogh Bulletin, Nr. 1, 1995,S.3-7

Eva Mendgen, „Franz von Stuck — de totaalkunstenaar en marketeer avant-la-lcttre exposeert in het Van Goghmuseum“, in: Art + Value, Nr. 3, 1995, S.67-71

Eva Mendgen (Hg.), In Perfect Harmony, Bild+Rahmen 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995 (Waanders)

Eva Mendgen (Hg.), In Perfect Harmony, Picture+Frame 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995 (Waanders)

Eva Mendgen, „Glanzgold oder Patina — Bild und Rahmen im Werk von Franz von Lenbach und Arnold Böcklin“, in: In Perfect Harmony, Bild+Rahmen 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995, S. 29-56

Eva Mendgen, „James McNeill Whistler – „.. .carrying on the particular harmony throughout““, in: In Perfect Harmony, Bild+Rahmen 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995 S.87-96

Eva Mendgen, „Kunst oder Dekoration – Bild und Rahmen im Werk von Franz von Stuck und Gustav Klimt“, in : In Perfect Harmony, Bild+Rahmen 1850-1920 (Ausst.-Kat. Van Gogh Museum, Amsterdam, Kunstforum Wien), Zwolle 1995 S.97-128

Eva Mendgen, Franz von Stuck. Ein Fürst im Reich der Kunst, Köln 1994 (Taschen)

Eva Mendgen, Franz von Stuck.Prince of Art, Köln 1994 (Taschen)

Eva Mendgen, Franz von Stuck. Un prince au royaume de 1’art, Köln, 1994 (Taschen)

Eva Mendgen, „Gold, Rot, Gelb und Weiß: Die Bildpräsentation im Konflikt zwischen Akademie und Sezession“, in: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, Jg. 7, Worms am Rhein 1993, S.379-387

Eva Mendgen, „Künstler rahmen ihre Bilder: Zur Bedeutung von Original- und Künstlerrahmen“, in: Der Kunsthandel, Heft 4, 1992, S.12-15

Eva Mendgen, „Der Bilderrahmen im Kontext von Zentrum und Peripherie“, in: Der Kunsthandel, Heft 1, 1992, S.40-42

Eva Mendgen, Künstler rahmen ihre Bilder. Zur Geschichte des Bilderrahmens zwischen Akademie und Sezession. Lenbach, Böcklin, Stuck, Klimt, Hunt, Rossetti, Whistler, Degas, Pissarro, Seurat, van Gogh, Konstanz 1991

Eva Mendgen, „The History of Picture Frames“, in: Der Kunsthandel / Journal for Pictures and Frames Europe, Sonderausgabe Frankfurter Kunstmesse, 1991, S.36-41

Eva Mendgen, „Daniel Burens Rahmenkonzeption“, in: Der Kunsthandel, Heft 10, 1990, S.24-29

Eva Mendgen, „Rahmen im Chicago Art Institute“, in: Der Kunsthandel, Heft 10, 1990, S.30-37

Eva Mendgen, „Bild und Rahmen im 19. Jahrhundert – Massenproduktion und Künstlerrahmen“, in: Der Kunsthandel, Heft 8, 1989, S.84-94

Eva Mendgen, „Betrachtung zum Thema „Bilderrahmen“ in der zweiten Hälfte des 19, Jahrhunderts“, in: Heinz Althöfer (Hg.), Das 19. Jahrhundert und die Restaurierung, Beiträge zur Malerei, Maltechnik und Konservierung, München, 1987, S. 88-93