Kulturnetzwerk

regiofactum

Grafik: Thomas Ultes


Zusammenarbeit

Das private regiofactum-Kulturnetzwerk entstand im Vorfeld der grenzübergreifenden Kulturhauptstadt Europas 2007, Luxemburg und Großregion / Luxembourg et Grande Région (Partnerin: Sibiu – Hermannstadt) zwischen Saarbrücken, Metz, Nancy, Trier, Luxemburg, Eupen und Liège.

regiofactum widmet sich der Erforschung, Darstellung und Inwertsetzung von Grenzgebieten aus dem Blickwinkel von Kunst, Kultur, Raumplanung und Denkmalpflege in Wort und Bild.

Bezugspunkt ist die Kulturlandschaft vor der Haustüre, die Groß/Grande Région Saarland-Lorraine (Grand Est)-Luxemb(o)urg-Rheinland-Pfalz-Wallonie(n).

Aus der Zusammenarbeit mit privaten und öffentlichen Akteuren sind bis heute zahlreiche Druckwerke, öffentliche Präsentationen, Vorträge, aber auch wissenschaftliche Studien, Kolloquien, hervorgegangen, die in der internationalen Presse auf regionalem, nachbarschaftlichen Niveau, aber auch in der nationalen Presse, allen voran in Luxemburg und Deutschland in deutscher und französischer Sprache Nachhall gefunden haben (ab Januar 2023 mehr dazu in der Rubrik „Bi(bli)ografie“).

Idee und Ziele sind dieselben geblieben, auch wenn sich die Ausdrucksweisen geändert haben. Blog und Website sind an Stelle der Druckwerke, das Digitale anstelle des Analogen getreten, nicht, weil das besser oder sogar leichter wäre, sondern, weil es im Moment der einzig gangbare Weg ist, die Arbeit fortzuführen.

2022 – nach fast drei Jahren Pandemie und den z.T. dramatischen Folgen – verdichten sich die Leerstellen auf der grenzübergreifenden Karte, die gerade erst Gestalt angenommen hatte. Vieles ist mittlerweile verschwunden, was noch im Jahr 2007 gesichert schien.

regiofactum 2009 Wandkarte zur Feier des Tages der Deutschen Einheit/der Groß/Grande Région in Saarbrücken-Sarrebruck-Sarrebrück.

Gemeinsam mit den Fotografen Kai Loges und Andreas Langen (die arge lola) konnten zahlreiche Orte über die Jahre hinweg „von hier aus“, im „Niemandsland“ vor der Haustüre dokumentiert werden, à peine de l’autre côté de la frontière très vite atteinte au bout de quelques foulées, on a vraiment l’impression que l’on perçoit la vie différemment. … Kaum jenseits der Grenze, und das hieß oft: zu Fuß nur ein paar Minuten gelaufen, und das Lebensgefühl ist wie ausgewechselt… solche Erlebnisse gibt es unzählige in der Großregion, und sie alle sind Varianten einer einzigen Erkenntnis: Dass Unterschiede nicht Probleme sind, sondern Bereicherung – wenn man es denn schafft, alltäglich zu schätzen, was unseren Vorfahren in vielen Jahrhunderten verwehrt blieb: ein friedliches Miteinander

 

regiofactum 2009, Postkarte

 

Die kulturelle Bedeutung der „Bauhütte“ und „Werkbank“ Europas zwischen Frankreich, Deutschland, Luxemburg und Belgien unterstreichen die alles verbindenden, unglaublich vielseitigen Site Welterbestätten der UNESCO / Patrimoine mondial zwischen Rhein, Maas, Mosel und Saar. Paradoxerweise steht ihre grenzübergreifende Vernetzung und gemeinsame Darstellung bis heute aus.

Dans la civilisation du « bâtir » l’homme œuvre de concert avec des matériaux naturels: pierre, bois, argile, fer et les outils pour la bâtir deviennent un moyen de communication entre les êtres. Dans ces pays l’échange ouvert, permanent des savoir-faire, des artistes et des artisans a permis de les vérifier, de les enrichir, de les stimuler et d’assurer un renouvellement permanent de l’expression culturelle humaine.(Didier Repellin)

 

regiofactum 2010, Buchplakat zu 25 Jahre Schengen

 

regiofactum 2010, Buchplakat Le Patrimoine – Welterbe -Mondial – de la Grande – der Großregion

 

Schuman, père de l’Europe und bekennender Grenzmensch aus dem Pays des Trois Frontières zwischen Saar und Mosel, forderte seine Mitbürger*innen dazu auf, sich dem grassierenden Fatalismus – mit anderen Worten der Indifferenz, wenn nicht dem Zynismus – zu verweigern. Das war vor fast 60 Jahren. Bis heute fehlt eine Übersetzung im Sinne einer kulturellen (nicht maschinellen) Übertragung seines immer noch grundlegenden Buches Pour l’Europe in andere Sprachen – und damit der Zugang, die Teilhabe aller an seinen Empfehlungen und Schlußfolgerungen.

L’Europe, avant d’être une alliance militaire ou une entité économique, doit être une communauté culturelle dans le sens le plus élevé de ce terme. /
Europa muss, ehe es zur militärischen Allianz oder zum wirtschaftlichen Bündnis wird, vor allem eine kulturelle Gemeinschaft im höchsten Sinne des Wortes bilden.

Robert Schuman, Pour l’Europe, Paris 1963 /
Robert Schuman, Für Europa, Hamburg/Paris/Genf 1963

Wohnhaus und Garten von Robert Schuman im Herzen der Großregion in Scy-Chazelles Maison de l’Europe, Zustand 2006, Foto: die arge lola/regiofactum

 

Gedruckte Referenzwerke: Im Reich der Mitte

Au Centre de l‘ Europe : Im Reich der Mitte²
Des liens et des lieux, Kulturgemeinschaft Großregion

regiofactum-Edition, Hartung-Gorre Verlag, Konstanz-Saarbrücken 2013, Eva Mendgen (Hg., Idee, Red., Recherche, Kontakte, Marketing), Fotografien von Kai Loges und Andreas Langen/regiofactum, Mitarbeit von Sylvie Grimm-Hamen, Design: Thomas Ultes/regiofactum, Krüger Druck, Merzig / Saarland

Mit Beiträgen von Jean-Marie Pelt, Jean-Claude Juncker, Eva Mendgen, Serge Ecker, Christian Wille, Johannes Becker, Andreas Gniffke, Benz H.R. Schär, Kirstin Zeyer, Francois Carbon, Anne Funke, Malte Helfer, Sven Uhrhan, Heike Ziegler-Braun, Émile Decker, Diana Godard, Christian Francois, Anke Reitz, Anja Reichert-Schick, Marcus Stölb, Waltraud Friedrich, Thomas Ultes, Martin Graff, Hervé Doucet, Franz Clément, Alain Poncelet, Thomas Gergen
Ausgehend von der nationalen Gesetzgebung des Code civil und seiner „klassischen“ Rezeption in vielen europäischen Nachbarländern (sowie in anderen Kontinenten) sollte die historische Entwicklung genauer betrachtet werden, nämlich über den Weg der Translation des Rechts. Damit sind die einzelnen Wechselströme gemeint, die bei der Berührung von Rechtsordnungen entstehen, sowie die unmittelbare ganz konkrete Anwendung des Rechts in seinem neuen Kontext. Das Überwinden von Grenzen führt auf diese Weise zu neuer rechtskultureller Kreativität. Letztere hat es aber in der Grenz- und Großregion SaarLorLux bereits vor dem Code civil gegeben, was wir anhand der Weistümer beleuchten (Spätmittelalter und Frühe Neuzeit). Wichtig ist schließlich die in „Reich der Mitte Band II“ von Mendgen/Gergen vorgestellte Idee: die Grenze wegdenken in der Gesetzgebung und vor allem in der transnationalen Geschichtsschreibung, der Historiographie „sans frontières“

Walter Delarber, Joseph Abram
Ce vaste territoire, mouvementé, déchiqueté, / qui gît, comme un socle unitaire invisible, / sous la diversité de nos paysages, industriels ou naturels, / pétris par le labeur des hommes, façonnés / par leurs guerres et par leurs religions… / Cette attention portée aux choses, à l’histoire de leur présence, / suppose un regard sensible, mais aussi une méthode
Lily Portugaels, Claude Gengler
Grenzregiounen wuesse vun ënnen! Hirt Zesummewuessen kann nët vun uewen dekretéiert gin. Et geschitt lues, progressiv, etappeweis, an irgendeng Kéier ass et dann esou staark, dat all Dämm briechen a schliesslech zesumme-wiisst, wat zesumme gehéiert … Et sollt ee wëssen, wou een hierkënnt, ier een décidéiert, wuer een hi wëll. Et geet awer nët duer, eng gemeinsam Geschicht gehat ze hunn, fir och eng gemeinsam Zukunft geschenkt zu kréien. Geschenkt kritt ee souwiesou näischt, do ass da schon e bëssen – wat soën ech? e ganze Koup! – Eegeninitiativ gefrot …
Willy Filz, Peter Lupp, Eric Pigat, Christine Dölker, Dirk Peissl, Diúnya Al-Ani, Amina Bouderbala, Mana Binz, Ulf Hangert, Tamara Dumkowa, Didier Repellin, Herbert Franke, Tilmann Otto, Monika Sonntag, Benoit van den Bossche, Nicolas Luc Villeroy, Claude Wall, Rita Darboven u.a.

2007

Im Reich der Mitte : Le berceau de la civilisation européenne: Savoir-faire Savoir-vivre
Leben und Arbeiten in der Großregion/Grande Région Saarland-Lorraine-Luxembourg-Rheinland-Pfalz-Wallonie(n)

 

 

Hrsg. Eva Mendgen, Hervé Doucet, Volker Hildisch, regiofactum-Edition /Hartung-Gorre Verlag, Saarbrücken und Konstanz 2007.

„Un livre sur la Grande Région, son histoire industrielle et culturelle, les métropoles régionales et les habitants, qui y travaillent et y vivent. Les photos et les textes réalisés en 2006 pour ce projet, proposent une vision subjective de l’histoire, de la culture, du travail et du mode de vie dans la Grande Région.“

Receuil de textes français et allemands avec des illustrations, 248 pages

Mit Beiträgen von Arno Krause,  Georges Wagner-Jourdain, Frank Thinnes, Claude Gengler, Hervé Doucet, Marcus Stölb, Christian Wille, Eva Mendgen, Émile Decker, Anne Funke, Volker Hildisch, Sandra Schmitt; Fotografie: die arge lola, Kai Loges und Andreas Langen/regiofactum; Design: Thomas Ultes/regiofactum